Alle Artikel
Methoden11 minBiohacking AI

HbA1c: Wirkung & Studienlage – was ist wirklich belegt?

Evidenzbasierter Überblick zu HbA1c: Was sagt der Wert wirklich aus, wie stark ist die Datenlage, und wo sind Grenzen? Mit Studien-Check.

HbA1c: Wirkung & Studienlage – was ist wirklich belegt?

HbA1c ist ein zentraler Laborwert in der Diabetologie: Er dient als Marker für den mittleren Blutzucker der letzten Wochen und ist in Diagnostik sowie Verlaufskontrollen etabliert. Die Zusammenhänge zu Komplikationen wie Retinopathie und diabetischer Nierenerkrankung sind in Metaanalysen plausibel – aber nicht jede Detailfrage ist bereits sauber mit „Dosis-Wirkungs“-Schwellen beantwortet.


TLDR: HbA1c spiegelt den durchschnittlichen Blutzucker der letzten Wochen wider und ist zentral für Diagnose und Verlauf von Diabetes. Für klinische Entscheidungen ist HbA1c in Leitlinien etabliert; Zusammenhänge zu Komplikationen (z. B. Retinopathie, Nierenkrankheit) sind aus Metaanalysen plausibel. Die Daten zur HbA1c-Variabilität sind ebenfalls zunehmend, aber nicht überall gleich stark.


Warum HbA1c relevant ist: Was der Wert abbildet (und was nicht)

Kurzantwort: HbA1c zeigt vor allem den zeitlich gemittelten Blutzucker über mehrere Wochen und ist deshalb für Diagnose und Verlauf nützlich. Gleichzeitig ist HbA1c kein tagesaktueller Messwert: Faktoren wie Blutarmut, Hämoglobinvarianten oder stark veränderte Nierenfunktion können den Wert verzerren (nicht „jeder Effekt“ ist automatisch metabolisch).

HbA1c entsteht, wenn Glukose im Blut an Hämoglobin gebunden wird („Glykierung“). Weil Hämoglobin über die Lebensdauer der roten Blutkörperchen hinweg „mitläuft“, gilt HbA1c als Biomarker für den durchschnittlichen glykämischen Zustand der letzten Wochen. Für die klinische Nutzung ist entscheidend: HbA1c ist ein integrierter Verlaufsmesser, nicht das, was du gerade heute gegessen oder heute „kurz nach dem Essen“ gemessen hast.

Für die Frage, ob HbA1c als diagnostischer Ansatz sinnvoll ist, analysiert Peters et al. die Evidenzlage im Rahmen eines klinischen Diagnose-Ansatzes. In dieser Meta-Analyse zur Diabetesdiagnostik wird HbA1c als Teil eines klinisch verwertbaren Konzepts untersucht (Peters et al., 1996, PMID 8849753). Daraus folgt praktisch: Schwellenwerte und Diagnostikpfade haben einen studienbasierten Hintergrund – aber die Messung bleibt trotzdem eine Laborbestimmung, die im richtigen Kontext interpretiert werden muss.

Wichtig ist der Punkt, dass HbA1c ein Biomarker ist, dessen Wert nicht 1:1 „reine Glukose“ widerspiegelt. Wenn die Grundlage für HbA1c verändert ist (z. B. stark veränderte Lebensdauer der Erythrozyten bei Blutarmut oder relevante genetische Hämoglobinvarianten), kann der HbA1c-Wert „zu hoch oder zu niedrig“ wirken, ohne dass der tagesaktuelle Blutzucker exakt so wäre. Genau deshalb gehört zur Interpretation nicht nur der Laborspiegel, sondern auch klinische Informationen (Symptome, Komorbiditäten, ggf. zusätzliche Marker).

Wenn du HbA1c als Lifestyle-Feedback nutzt, ist das ebenfalls der Kern: Du bewertest damit eher eine Wochen-/Monatsrichtung (Trend), nicht den Effekt einzelner Mahlzeiten.


Lifestyle zuerst: HbA1c verbessern durch Schlaf, Bewegung, Ernährung (mit Fokus auf Messbarkeit)

Kurzantwort: Wenn du HbA1c senken willst, sind Schlaf, körperliche Aktivität und Ernährung die ersten Hebel, weil sie über Wochen den mittleren Blutzucker beeinflussen können. Für die messbare Bewertung ist entscheidend, HbA1c im Verlauf zu betrachten statt einzelne Tageswerte oder „Einmal-Experimente“ zu überinterpretieren.

Die Besonderheit von HbA1c ist die Zeitauflösung: HbA1c bildet den Durchschnitt der zurückliegenden Wochen ab. Das macht Lifestyle-Interventionen oft „messbar“, weil sich Effekte nicht nur in Stunden, sondern über wiederholte Muster zeigen. Umgekehrt sind kurzfristige Maßnahmen (z. B. einzelne Trainingssessions oder einzelne Ernährungstage) methodisch schwerer sauber mit HbA1c zu verknüpfen. Für die Lesepraxis heißt das: Plane die Auswertung über Messpunkte (z. B. nach mehreren Wochen), sonst sieht man leicht „kein klares Signal“.

Ein weiterer pragmatischer Punkt: Du brauchst nicht für jeden Lifestyle-Hebel eine eigene „Supplement-Dosis“, sondern du willst Verhalten so verändern, dass der mittlere glykämische Zustand sinkt. In der hier vorliegenden Studienliste gibt es jedoch keine RCTs mit konkreten Lebensstil-Dosen (z. B. exakt definierter Schlafdauer oder exakt definierter Ernährungsform als Studiensubstanz mit HbA1c-Endpunkt), die du direkt als „Dosierung“ auf deinen Alltag übertragen könntest. Deshalb bleibt die Evidenz zur konkreten HbA1c-Senkung durch einzelne Lebensstilfaktoren in diesem Beitrag bewusst methodisch limitiert, auch wenn der generelle Mechanismus über Glukosekontrolle plausibel ist.

Was du daraus ableiten kannst (ohne über die Studienlage hinauszugehen):

  1. Messen im Verlauf: HbA1c ist für Trends gedacht; verknüpfe Änderungen mit Follow-ups.
  2. Lifestyle priorisieren: Bewegung und Ernährung sind in der Praxis typischerweise die ersten Schritte, bevor man medikamentöse oder supplementbasierte Strategien diskutiert.
  3. Nicht nur Mittelwert, auch Stabilität im Blick: Später im Artikel geht es um Variabilität (Schwankungen), weil das bei Komplikationen eine Rolle spielen kann.

Wenn du tiefer in einzelne Lifestyle-Themen einsteigen willst, findest du auf Biohacking AI kontextuelle Studienübersichten, z. B. zum Muster „Essensfenster ändern“ über den Link Intermittierendes Fasten: Wirkung & Studienlage – was belegt ist. Für den HbA1c-Kontext gilt aber: Entscheidend bleibt, dass du die Wirkung über Wochen als Trend beurteilst.


HbA1c-Reduktion: Welche Therapieeffekte sind belegt (und wie konsistent sind sie)?

Kurzantwort: Für HbA1c-Verbesserungen durch glucose-senkende Therapien liefert eine Meta-Analyse randomisierter Studien eine robuste Grundbeobachtung: Ausgangs-HbA1c beeinflusst die erreichbare HbA1c-Änderung. Das heißt nicht automatisch, dass jede Person exakt gleich profitiert, aber die Richtung und Größenordnung sind in RCT-Daten konsistent gemittelt.

Hier wird die evidenzbasierte Brücke wichtig: Wenn du wissen willst, was „belegt“ ist, schaust du auf RCTs – und noch besser auf deren zusammenfassende Auswertung. DeFronzo et al. untersuchen in einer Meta-Analyse randomisierter klinischer Studien die Beziehung zwischen Ausgangs-HbA1c und der Wirksamkeit aktueller glucose-senkender Therapien (DeFronzo et al., 2010, PMID 20536494). Eine zentrale Idee ist: Je höher der Startwert, desto größer fällt in vielen Studiensettings die durchschnittliche HbA1c-Senkung aus. Das ist für die Praxis relevant, weil es Erwartungen besser kalibriert: Wer niedrigere Startwerte hat, „hat weniger Raum“ für eine große relative Abnahme – selbst wenn die Therapie grundsätzlich wirksam ist.

Wichtig: Die Studie beantwortet primär die durchschnittliche Beziehung in RCT-Kontexten. Daraus folgt nicht automatisch ein individueller „Therapieplan mit garantierter Zielzahl“. Für eine persönliche Risikoabschätzung müssen weitere Faktoren (Ausgangslage, Begleiterkrankungen, Nierenfunktion, Nebenwirkungsrisiko, Adhärenz) berücksichtigt werden.

Ökonomisch betrachtet zeigen Daten aus Claims-Analysen, dass HbA1c-Reduktionen auch mit Kostenaspekten zusammenhängen können – nicht als mechanischer Wirkbeweis, aber als populationsnahe Evidenz für Versorgungseffekte. Lage et al. berichten hierzu in einer U.S.-Claims-Datenanalyse (Lage et al., 2020, PMID 32643451). Auch hier gilt: Das ist eher „Versorgungsrealität“ als kontrolliertes Studiendesign für eine Kausalitätsbehauptung.

Tabelle: HbA1c-Reduktion – was die Studienliste direkt hergibt

WertWertWert
Ausgangs-HbA1c beeinflusst die HbA1c-Änderung unter TherapieMeta-Analyse randomisierter klinischer Studien (RCT-Basis)DeFronzo et al., 2010, PMID 20536494
HbA1c-Reduktion kann mit Kosten-/Versorgungsparametern zusammenhängenClaims-Datenanalyse (Versorgungskontext, nicht RCT)Lage et al., 2020, PMID 32643451
Zusammenhang zwischen Ausgangslage und mittlerem TherapieeffektModell/Beziehungsanalyse statt „Dosis-Wirkungsschwelle“ für jede PersonDeFronzo et al., 2010, PMID 20536494
Aussagekraft: Durchschnittseffekte, keine individuelle GarantieInterpretation im Rahmen weiterer klinischer Faktoren erforderlichBeide Quellen stützen Zusammenhang/Verlauf, nicht individuelle Prognose

Wenn du diese Therapieeffekte nutzen willst, halte dich an den Studienschwerpunkt: RCT-gestützte Erwartungswerte sind am stärksten für „im Mittel“. Für den individuellen Fall ist die beste Strategie: HbA1c-Verlauf + klinische Einordnung. Genau deshalb bleibt HbA1c in der Praxis ein „Zielparameter“, aber die Entscheidung basiert nie auf HbA1c allein.


Variabilität statt nur nur Durchschnitt: HbA1c-Schwankungen und Komplikationsrisiko

Kurzantwort: Nicht nur der HbA1c-Mittelwert, sondern auch seine Variabilität (Schwankungen) wird in Metaanalysen mit Komplikationen verknüpft. Die Evidenz zeigt Zusammenhänge, aber die Frage, welche Reduktionsgröße der Variabilität klinisch „genau“ nötig ist, ist aus den vorliegenden Metaanalysen nicht direkt als Schwellenwert ableitbar.

Viele Diabetestherapien zielen auf „besseren Durchschnitt“. Doch klinisch sehen wir oft auch: Menschen haben Tage/Wochen mit guter Kontrolle und andere mit Ausreißern. Genau das meint HbA1c-Variabilität: Sie beschreibt, wie stark HbA1c-Werte im Verlauf schwanken können.

Zhai et al. finden in einer Meta-Analyse einen Zusammenhang zwischen HbA1c-Variabilität und Retinopathie bei Typ-2-Diabetes (Zhai et al., 2023, PMID 36223803). In der Konsequenz ist der klinische Blick plausibel erweitert: Es reicht möglicherweise nicht, nur „irgendwie“ ein niedrigeres HbA1c zu erreichen – Stabilität könnte relevant sein.

C et al. berichten in einer systematischen Übersicht und Meta-Analyse über Zusammenhänge von HbA1c-Variabilität mit diabetischer Nierenerkrankung und diabetischer Retinopathie (C et al., 2026, PMID 41694560). Auch hier gilt: Das ist eine Synthese beobachtungsnaher Evidenz bzw. über Studien hinweg, die ein Muster nahelegen.

Was in den Leser-Entscheidungen oft untergeht: „Zusammenhang“ ist nicht „Beweis für Ursache“. Trotzdem haben die Daten praktische Relevanz, weil sie ein potenzielles Behandlungsziel nahelegen: Schwankungen vermeiden, also Therapie und Lebensstil so ausrichten, dass Ausreißer seltener werden.

Die kritische Grenze der Evidenz (ausdrücklich): Welche „Dosierung“ der Variabilitätsreduktion nötig ist, um Risiko im Sinne einer Dosis-Wirkungs-Beziehung zu senken, lässt sich aus der Studienliste nicht automatisch in eine Schwelle umrechnen. Metaanalysen zeigen meist Richtung und statistische Assoziationen, aber nicht immer robuste „Wenn-dann“-Grenzen, die sich 1:1 in klinische Zielvorgaben übersetzen lassen.

Wenn du das operationalisieren willst, ist der methodisch saubere Ansatz: HbA1c-Messungen regelmäßig im Verlauf dokumentieren und nicht nur „letzter Wert“. Die Stabilität kann Hinweise geben, ob z. B. Therapieadhärenz, routinemäßige Ernährungs-/Bewegungsmuster oder Interaktionen (z. B. Erkrankungen, Stressphasen) die Kontrolle destabilisieren.


Evidenz-Hierarchie: RCT, Beobachtung, Metaanalyse – wo diese Studien einordnen

Kurzantwort: Die stärkste Basis für Therapie-Wirksamkeit kommt typischerweise aus randomisierten Studien; Metaanalysen bündeln diese und sind deshalb für HbA1c-Änderungen besonders hilfreich. Für Komplikationen (Retinopathie/Niere/Kreislauf) ist die Evidenz häufig stärker auf Beobachtungszusammenhänge angewiesen, sodass Residualkonfounding und Uneinheitlichkeit ein Thema bleiben.

Wenn du die Studienlage sauber lesen willst, brauchst du eine „Meta-Ebene“: Nicht jede Aussage hat die gleiche Beweiskraft. In der vorliegenden Studienliste sieht man das Prinzip gut verteilt:

  • Therapieeffekte / HbA1c-Änderung: DeFronzo et al. stützt sich auf eine Meta-Analyse von randomisierten klinischen Studien (DeFronzo et al., 2010, PMID 20536494). Das ist genau der Studiotyp, der am besten geeignet ist, Wirkungen unter Interventionen im Mittel zu quantifizieren.
  • Diagnostik-Konzept: Peters et al. analysiert einen klinischen Ansatz zur Diabetesdiagnostik auf Basis von HbA1c (Peters et al., 1996, PMID 8849753). Auch hier ist es wichtig: Diagnostik ist „Entscheidung unter Unsicherheit“ – deshalb sind Analysen zur Genauigkeit/Einordnung zentrale Grundlage.
  • Komplikations-Endpunkte: Metaanalysen zu Variabilität und Outcomes (Retinopathie, diabetische Nierenerkrankung) wie bei Zhai et al. (Zhai et al., 2023, PMID 36223803) oder C et al. (C et al., 2026, PMID 41694560) sind zwar wichtige Synthesen, aber sie adressieren häufig stärker Zusammenhänge zwischen Biomarkern und Endpunkten als direkte Kausalität durch eine gezielte „Variabilitäts-Intervention“.
  • Kardiovaskuläre Outcomes & Gesamtmortalität: Cavero-Redondo et al. fassen die Rolle von HbA1c als Risikofaktor für kardiovaskuläre Outcomes und Gesamtmortalität zusammen (Cavero-Redondo et al., 2017, PMID 28760792). Wie bei vielen Biomarker-Meta-Analysen bleibt dennoch das methodische Grundproblem: Auch nach statistischer Anpassung kann Residualkonfounding bestehen.

Die praktische Schlussfolgerung: Wenn du „Wirkung“ von „Assoziation“ trennen willst, nutze diese Regel:

  • RCT-basiert (oder RCT-Meta-Analyse): eher „Therapieeffekt“ akzeptieren.
  • Outcome-Metaanalyse über Beobachtungsdaten: eher als Risikomarker interpretieren, nicht als harte Ursache.

Das bedeutet nicht, dass Beobachtungen wertlos sind. Aber du solltest deine Handlungslogik sauber ausrichten: HbA1c als Messsignal (durch Diagnostik und Verlauf) ist stark; die Frage, wie exakt jede Schwankung „mit welcher Dosis“ Risiko macht, ist aus der aktuellen Synthese nicht vollständig „auskalibriert“.


HbA1c als Risikoindikator: Kardiovaskuläre Outcomes und Gesamtmortalität

Kurzantwort: HbA1c ist in einer systematischen Übersicht und Metaanalyse ein Risikomarker: Höhere HbA1c-Werte gehen im Mittel mit schlechteren kardiovaskulären Outcomes und höherer Gesamtmortalität einher. Das belegt aber nicht automatisch eine direkte Kausalität allein durch HbA1c, weil Residualkonfounding möglich bleibt.

Cavero-Redondo et al. untersuchen in einer systematischen Übersicht und Meta-Analyse die Rolle von HbA1c als Risikofaktor für kardiovaskuläre Outcomes und Gesamtmortalität – sowohl bei Diabetes- als auch bei Nicht-Diabetes-Populationen (Cavero-Redondo et al., 2017, PMID 28760792). Das ist methodisch relevant, weil die Einschätzung des Risikos damit nicht nur „innerhalb“ einer Krankheitsgruppe passiert.

Wichtig ist die Interpretation: Die Studie stützt die Annahme, dass höheres HbA1c mit schlechteren Outcomes assoziiert ist. Aber „assoziiert“ ist nicht gleich „verursacht“. Selbst wenn statistische Anpassungen erfolgen, kann Residualkonfounding bleiben: Faktoren wie Lebensstil, Erkrankungsschwere, Therapiezugang, Entzündungsstatus oder sozioökonomische Faktoren können die Beziehung beeinflussen, obwohl man sie rechnerisch teilweise berücksichtigt.

Warum ist das trotzdem klinisch nützlich? Weil Risikoabschätzung in der Praxis selten von einem einzigen Biomarker abhängt. HbA1c ist ein kompakter Marker, der in die Gesamtbewertung einfließt: zusätzlich zu Blutdruck, Lipiden, Rauchen und Alter. Aus Studienperspektive ist das ein „gutes Signal“, solange du es als Signal und nicht als alleinige Ursache behandelst.

Für den Alltag heißt das: Wenn du HbA1c senkst, kann das (je nach Person) nicht nur für den Diabetesverlauf, sondern auch für Risiken relevant sein – aber die Studienlage in dieser Liste liefert hier primär Risikoassoziationen über Metaanalysen, nicht die Art von RCT-Beweis, der jeder Person eine bestimmte prozentuale Risikominderung zuschreibt.

Wenn du die HbA1c-Wirkung als Therapiepfad planst, ist deshalb die Kombinationslogik wichtig: HbA1c ist ein Zielparameter, aber die Entscheidung über „wie aggressiv“ hängt von individueller Risikolage und dem Gesamtprofil ab.


Quick-Check für die Lesepraxis: Wie du aus Studienlage eine sinnvolle Handlungsentscheidung machst

Kurzantwort: Frage immer zuerst: Handelt es sich um Therapieeffekte (am stärksten bei RCT-basierten Metaanalysen) oder um Outcome-Assoziationen (häufig beobachtungsbasiert)? Bei Komplikationen ist zusätzlich die Trennung zwischen HbA1c-Mittelwert und HbA1c-Variabilität wichtig. So vermeidest du „zu starke“ Schlussfolgerungen aus schwächeren Studiendesigns.

Hier ist ein praktischer Leitfaden, der sich an der Evidenzhierarchie orientiert:

  1. Wofür willst du HbA1c nutzen?

    • Diagnose/Schwellenwerte: Hier ist Peters et al. relevant, weil die Diagnostik auf HbA1c-Laborwerten in einem klinischen Ansatz analysiert wurde (Peters et al., 1996, PMID 8849753).
    • Therapie-Wirkung: Für „Was bringt eine Intervention im Mittel?“ ist DeFronzo et al. mit RCT-Metaebene der passendste Anker (DeFronzo et al., 2010, PMID 20536494).
  2. Geht es um Komplikationen?

    • Mittelwert vs. Stabilität: Wenn es um Retinopathie oder Nierenerkrankung geht, sind Daten zu HbA1c-Variabilität in Metaanalysen vorhanden. Für Retinopathie bei Typ-2-Diabetes: Zhai et al. (Zhai et al., 2023, PMID 36223803). Für diabetische Nierenerkrankung und Retinopathie: C et al. (C et al., 2026, PMID 41694560).
    • Aber: Keine „Schwellenwert-Dosierung“ ableiten, wo die Daten das nicht hergeben. Die Variabilitätseffekte zeigen Zusammenhänge, aber aus der vorliegenden Studienliste lässt sich keine exakte Reduktionsgröße als universelle Zielvorgabe ableiten.
  3. Geht es um Risiko insgesamt (Kreislauf, Mortalität)?

    • Nutze HbA1c als Risikomarker, nicht als alleinige Ursache. Cavero-Redondo et al. liefert hier eine systematische Übersicht/Meta-Analyse (Cavero-Redondo et al., 2017, PMID 28760792). Residualkonfounding bleibt ein plausibles Thema.
  4. Wie setzt du es persönlich um?

    • HbA1c ist in der Praxis am sinnvollsten über wiederholte Messungen im Verlauf interpretierbar. Das hilft nicht nur beim Mittelwert, sondern kann indirekt auch auf Stabilität hinweisen.
    • Kombiniere HbA1c immer mit dem klinischen Gesamtbild. Die Studienlage in dieser Liste stützt HbA1c als wichtiges Signal, nicht als alleinigen Entscheidungsersatz.

Wenn du das als „Mess- und Entscheidungsroutine“ formulieren willst: Halte die HbA1c-Werte als Trend fest (und idealerweise die zeitliche Streuung), nutze Metaanalysen als Grundlage für Erwartungswerte und passe die konkrete Entscheidung an deine Situation an.


Was du daraus mitnimmst

  • HbA1c ist ein Wochen-/Monatsmarker für den mittleren Blutzucker und diagnostisch/verlaufsrelevant; die Diabetesdiagnostik ist in einer Meta-Analyse zu HbA1c-basierten Diagnostikansätzen untersucht (Peters et al., 1996, PMID 8849753).
  • Therapieeffekte lassen sich am ehesten aus RCT-basierten Metaanalysen ableiten; die Wirkung hängt im Mittel u. a. vom Ausgangs-HbA1c ab (DeFronzo et al., 2010, PMID 20536494).
  • Komplikationen hängen nicht nur am Mittelwert: HbA1c-Variabilität ist in Metaanalysen mit Retinopathie und diabetischer Nierenerkrankung verknüpft (Zhai et al., 2023, PMID 36223803; C et al., 2026, PMID 41694560).
  • HbA1c als Risikomarker für kardiovaskuläre Outcomes und Gesamtmortalität ist in einer systematischen Übersicht/Meta-Analyse belegt, bleibt aber als Assoziation interpretierbar (Cavero-Redondo et al., 2017, PMID 28760792).
  • Für deine Handlungsentscheidung gilt: Trend über Zeit + klinischer Kontext statt „ein Messwert = Wahrheit“.

Häufige Fragen

Was sagt HbA1c konkret über meinen Blutzucker aus?
HbA1c ist ein Maß für den durchschnittlichen Blutzucker über mehrere Wochen, weil es die Glykierung von Hämoglobin widerspiegelt. Es ist daher nicht „Ihr heutiger“ Wert, sondern ein Verlaufsmarker. Für Diagnostik wurde HbA1c klinisch evaluiert, z. B. in Peters et al. 1996 (PMID 8849753).
Ist die HbA1c-Variabilität wirklich relevant oder reicht der Durchschnittswert?
Die Daten sprechen dafür, dass HbA1c-Variabilität zusätzlich zum Mittelwert mit Komplikationen zusammenhängt. Eine Meta-Analyse zu Retinopathie findet diesen Zusammenhang (Zhai et al., 2023, PMID 36223803). Eine neuere systematische Übersicht berichtet ähnliche Assoziationen für Nierenerkrankung und Retinopathie (C et al., 2026, PMID 41694560).
Verbessert eine HbA1c-Senkung messbar Outcomes oder ist das nur ein Biomarker?
HbA1c-Senkung ist in RCT-basierten Auswertungen mit Therapieeffekten verknüpft, und die Größe des Effekts hängt u. a. vom Ausgangswert ab (DeFronzo et al., 2010, PMID 20536494). Ob das in jedem Einzelfall zu bestimmten Endpunkten führt, hängt von Risikoprofil und Studiendesign ab.
Ist HbA1c als Risikomarker für Herz-Kreislauf und Sterblichkeit belegt?
Metaanalysen stützen, dass HbA1c mit kardiovaskulären Outcomes und Gesamtmortalität assoziiert ist. Cavero-Redondo et al. (2017, PMID 28760792) berichten diese Zusammenhänge in einer systematischen Übersicht und Metaanalyse für Diabetes- und Nicht-Diabetes-Populationen. Assoziation bedeutet jedoch nicht automatisch Kausalität.