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Cold Plunge nach dem Krafttraining: wann er hilft und wann er bremst

Cold Plunge direkt nach dem Krafttraining kann Muskelzuwachs bremsen. Wann Eisbad sinnvoll ist, welche Studien das zeigen und wie du es richtig timst.

Direkt nach dem Krafttraining ins kalte Wasser zu gehen, fühlt sich oft nach „mehr Regeneration“ an. Die Studienlage ist aber für Muskelaufbau und Kraftanpassung deutlich nüchterner: Wenn Cold Plunge nach dem Krafttraining zur Routine wird, kann das die gewünschten Anpassungen über Wochen abschwächen, besonders bei Hypertrophie-orientiertem Training. Gleichzeitig gibt es Kontexte, in denen ein Eisbad nach Training sinnvoll sein kann — vor allem dann, wenn kurzfristige Einsatzfähigkeit wichtiger ist als maximaler Muskelzuwachs.

Was die Studien zu Cold Plunge nach Krafttraining zeigen

Direkte Antwort: Cold Water Immersion nach Krafttraining kann die akute Erholung subjektiv verbessern, ist aber in mehreren randomisierten Studien mit geringeren Zuwächsen bei Muskelhypertrophie und teils auch Kraft verbunden, wenn sie direkt nach dem Training regelmäßig eingesetzt wird. Für Muskelaufbau spricht die Evidenz deshalb gegen die Routine direkt nach jeder Einheit.

Der Kern der Daten ist relativ konsistent: Mehrere RCTs und systematische Übersichtsarbeiten kommen zu dem Schluss, dass Kältewasser-Tauchbäder unmittelbar nach Krafttraining die langfristige Trainingsanpassung dämpfen können. Besonders häufig untersucht wurde ein Protokoll im Bereich von 10 bis 15 °C für etwa 10 bis 15 Minuten direkt nach dem Training. Genau diese Art von Anwendung wird in der Praxis oft als Cold Plunge nach dem Krafttraining genutzt — und genau hier ist die Evidenz am kritischsten.

Die oft zitierte Roberts Cold Plunge Studie gehört zu den bekanntesten Arbeiten zu diesem Thema. In dieser und weiteren randomisierten Studien zeigten Teilnehmer, die nach Krafttraining regelmäßig Kälteanwendungen nutzten, geringere Zuwächse in fettfreier Masse bzw. Muskelquerschnitt und teils auch schwächere Verbesserungen bei Kraftmaßen als Vergleichsgruppen ohne Kälte oder mit aktiver Erholung (mehrere RCTs; systematische Reviews und Meta-Analysen bis 2023/2024). Die Effekte sind nicht in jeder Studie identisch groß, aber die Richtung ist auffällig genug, dass Reviews das Thema inzwischen differenziert einordnen: gut für das Erholungsgefühl, potenziell ungünstig für Hypertrophie.

Wichtig ist der Zusatz: Die Daten sprechen nicht gegen jede Form von Kälteanwendung. Sie sprechen vor allem gegen die unmittelbare, routinemäßige Anwendung nach jeder Hypertrophie-Einheit. Das ist ein wesentlicher Unterschied. Wer 1–2-mal pro Monat nach einem besonders harten Block ins kalte Wasser geht, ist nicht dasselbe wie jemand, der nach fast jedem Unterkörper- oder Ganzkörpertraining ein standardisiertes Eisbad macht.

Akut kann Recovery Cold Plunge durchaus etwas bringen. In mehreren Studien berichten Athleten nach Kälte über weniger Muskelkater, geringeres Belastungsgefühl und subjektiv bessere Erholung in den Stunden bis Tagen nach der Einheit. Dieser kurzfristige Nutzen ist realistisch und plausibel. Der Haken: Wenn du gerade den Anpassungsreiz maximieren willst, ist „weniger Entzündungs- und Stresssignal direkt nach dem Training“ nicht automatisch ein Vorteil. Für Hypertrophie ist nicht nur wichtig, wie schnell du dich fühlst, sondern wie der Körper den Reiz über Tage und Wochen in Struktur umbaut.

Cold Plunge nach Krafttraining: Studienlage, Effekt und praktische Einordnung

Direkte Antwort: Die beste Evidenz zeigt einen Zielkonflikt: subjektiv bessere Erholung kurzfristig, aber mögliche Nachteile für Muskelaufbau bei regelmäßiger direkter Anwendung nach Krafttraining. Entscheidend ist daher nicht, ob Kälte „funktioniert“, sondern für welches Ziel sie eingesetzt wird.

Die Studienlage ist methodisch nicht perfekt, aber für einen Praxisentscheid ausreichend klar. Was in der Alltagssprache oft als „Regeneration verbessern“ verkauft wird, muss von „Trainingsanpassung verbessern“ getrennt werden. Ein geringerer Muskelkater am nächsten Morgen bedeutet nicht automatisch bessere Ergebnisse nach 8 oder 12 Trainingswochen. Genau dieser Denkfehler macht Cold Water Immersion Hypertrophie zu einem häufig missverstandenen Thema.

In systematischen Reviews und Meta-Analysen wird immer wieder beschrieben, dass Kälte direkt nach Widerstandstraining mit kleineren Hypertrophie-Effekten assoziiert ist als Kontrollbedingungen. Bei Kraft sind die Resultate etwas heterogener: Manche RCTs finden ein Minus, andere keinen klaren Unterschied, aber die Richtung ist insgesamt eher vorsichtig bis kritisch. Gleichzeitig sind Effekte auf Muskelkater und Erholungsgefühl kurzfristig meist günstiger als ohne Kälte.

FragestellungWas die Studien eher zeigenPraktische Einordnung
MuskelhypertrophieIn mehreren RCTs und Reviews geringere Zuwächse bei direkter, regelmäßiger Kälte nach KrafttrainingFür Muskelaufbau eher nicht als Routine nach jeder Einheit
KraftzuwächseTeilweise schwächer, teils uneinheitlich; insgesamt vorsichtige InterpretationBei Maximalkraft-Zielen besser nicht standardmäßig direkt post workout
Muskelkater / subjektive ErholungHäufig kurzfristig verbessert, besonders in den ersten 24–48 StundenKann bei engem Wettkampf- oder Trainingsplan sinnvoll sein
Praktischer Nutzen im SportalltagVor allem bei Mehrfachbelastung, Turnieren, Trainingslagern relevantZiel ist dann Einsatzfähigkeit, nicht maximale Anpassung

Methodisch wichtig: Solche Daten sind stärker als Beobachtungen aus Social Media oder Athletenberichten, aber sie haben Grenzen. Die Protokolle unterscheiden sich in Temperatur, Dauer, Eintauchtiefe, Trainingsstatus und Trainingsprogramm. Deshalb sollte man aus der Evidenz kein absolutes Verbot machen. Die nüchterne Schlussfolgerung ist enger: Routinemäßiges Eisbad direkt nach Hypertrophie-orientiertem Krafttraining ist wahrscheinlich keine gute Standardstrategie.

Wenn du das Thema breiter einordnen willst, lohnt sich auch der Überblick zu Cold Plunge & Eisbaden 2026: Was zu Kälte-Immersion wirklich belegt ist. Gerade bei Regenerationsthemen zeigt sich oft dasselbe Muster wie bei anderen populären Interventionen: Der kurzfristige, gut spürbare Effekt wirkt größer als der langfristige Nutzen. Das sieht man auch bei vielen Hype-Themen, die in sauber kontrollierten Studien deutlich nüchterner ausfallen, etwa bei Resveratrol: Was die RCTs wirklich zeigen – und was nicht.

Wann Cold Plunge sinnvoll ist und wann er kontraproduktiv wird

Direkte Antwort: Ein Eisbad nach Training ist vor allem dann sinnvoll, wenn du kurzfristig wieder leistungsfähig sein musst. Kontraproduktiv wird es eher dann, wenn Hypertrophie, Maximalkraft oder langfristiger Muskelaufbau dein Hauptziel sind und du Kälte direkt nach fast jeder Einheit nutzt.

Der wichtigste Filter ist also nicht „Ist Kälte gut oder schlecht?“, sondern: Welches Ziel verfolgst du in dieser Trainingsphase? In einer Wettkampfsaison, in einem Trainingslager oder bei mehreren harten Einheiten innerhalb von 24 Stunden kann eine Maßnahme, die Muskelkater und Belastungsgefühl kurzfristig reduziert, nützlich sein. In diesem Kontext zählt oft nicht der maximal mögliche Anpassungsreiz aus einer einzelnen Einheit, sondern die Fähigkeit, morgen oder noch am selben Tag erneut Leistung abzurufen.

Für diese Konstellationen gibt es brauchbare Argumente für Recovery Cold Plunge. Wenn du z. B. Turniere spielst, am Wochenende mehrere Spiele hast oder in einer Sportart mit hoher Wettkampfdichte unterwegs bist, kann Kälte helfen, die akute Belastung besser zu managen. Die Literatur zeigt hier eher Vorteile bei der subjektiven Erholung und teils bei funktioneller Bereitschaft, wobei die Resultate je nach Sportart und Protokoll variieren (mehrere RCTs, Reviews).

Weniger passend ist Cold Plunge nach dem Krafttraining dagegen für Menschen, die gerade in einer Aufbauphase sind: klassische Hypertrophieblöcke, Off-Season-Muskelaufbau, Anfängerkrafttraining oder jede Phase, in der du vor allem Muskelmasse und Kraft aufbauen willst. Wenn du in dieser Situation nach fast jeder Einheit ins kalte Wasser gehst, setzt du regelmäßig einen Reiz, der den anabolen Umbau potenziell abschwächen kann.

Bei Ausdauertraining ist die Lage ebenfalls differenziert. Auch dort kann Kälte die Erholung subjektiv verbessern, aber je nach Timing und Trainingsziel ist nicht gesichert, dass das langfristig die bessere Anpassung ergibt. Der Fehler wäre, aus kurzfristiger Frische automatisch auf bessere Trainingsresultate zu schließen. Genau deshalb lohnt eine periodisierte Nutzung: Kälte für Verfügbarkeit, nicht standardmäßig für Anpassung.

Wenn du Kälte nur gelegentlich nutzt, ist das Risiko messbarer Nachteile vermutlich geringer als bei konsequenter Routine nach jeder Session. Dafür gibt es weniger direkte Langzeitdaten als für die regelmäßige Anwendung, aber diese Schlussfolgerung ist plausibel und mit der Interventionslogik vereinbar. Die Frage bleibt immer: Willst du heute besser regeneriert wirken oder in 8–12 Wochen mehr aufgebaut haben?

Evidenz-Hierarchie: Was wir sicher wissen und was offen bleibt

Direkte Antwort: Am belastbarsten sind hier randomisierte kontrollierte Studien und systematische Reviews, die bei Kälte direkt nach Krafttraining eher gegen eine Routineanwendung für Muskelaufbau sprechen. Offen bleibt vor allem, welche Dosis, welches Timing und welche Zielgruppen am stärksten betroffen sind.

Wenn man das Thema sauber bewertet, sollte man die Evidenz-Hierarchie ernst nehmen. Einzelne Erfahrungsberichte sind für die Praxis interessant, aber wissenschaftlich schwach. Beobachtungsstudien helfen bei Hypothesen, beantworten diese Frage aber nur begrenzt, weil sich Menschen mit Eisbadroutine oft auch in Training, Ernährung, Schlaf, Motivation und Sportart unterscheiden. Wer häufiger kalt badet, verhält sich meistens nicht nur in einer Variablen anders.

Deutlich stärker sind deshalb RCTs mit standardisiertem Krafttraining und klarer Nachbeobachtung über Wochen. Genau diese Studien liefern den wichtigsten Hinweis darauf, dass Cold Water Immersion nach Krafttraining bei regelmäßiger Anwendung die Muskelanpassung abschwächen kann. Reviews und Meta-Analysen fassen diese Daten inzwischen relativ konsistent zusammen. Das bedeutet nicht, dass jede einzelne Studie denselben Effekt findet. Es bedeutet aber, dass die Gesamtlage eine vorsichtige, eher kritische Praxisempfehlung rechtfertigt.

Mechanistisch gibt es mehrere plausible Erklärungen. Kälte kann lokale Durchblutung, Gewebetemperatur, Entzündungsreaktion und intrazelluläre Signalsysteme beeinflussen, die für den Umbau nach Krafttraining relevant sind. Tier- und Zellstudien deuten auf eine mögliche Dämpfung solcher Signalwege hin. Aber hier ist Vorsicht wichtig: Mechanismen aus Tiermodellen sind nicht direkt auf Menschen übertragbar. Sie können erklären, warum ein Effekt denkbar ist, ersetzen aber keine Trainingsstudien am Menschen. Ähnlich vorsichtig sollte man generell bei biologisch plausiblen, aber klinisch nicht ausreichend bestätigten Themen sein — wie man auch bei Rapamycin für Longevity: Was Tierdaten zeigen und was beim Menschen fehlt sieht.

Offen bleibt vor allem die optimale Dosis. Die Studien verwenden unterschiedliche Temperaturen, Expositionszeiten, Wasserstände und Zeitabstände zum Training. Auch ist nicht sauber geklärt, ob sehr kurze, weniger kalte oder zeitlich versetzte Kälteprotokolle denselben Nachteil haben wie klassische 10–15 Minuten bei 10–15 °C direkt nach dem Training. Deshalb ist die aktuelle Aussage gezielt und begrenzt: Die Daten sind nicht gegen Kälte insgesamt, sondern vor allem gegen die unmittelbare Routineanwendung nach jeder Hypertrophie-Einheit.

Praktische Dosierung: Temperatur, Dauer und Timing

Direkte Antwort: Typische Studienprotokolle liegen bei etwa 10–15 °C für 10–15 Minuten direkt nach dem Training, aber das ist kein gesichertes Optimum. Wenn Muskelaufbau Priorität hat, ist es vernünftig, Kälte nicht unmittelbar post workout, sondern mit deutlichem Abstand oder an separaten Tagen zu nutzen.

Für die Praxis ist wichtig zu verstehen, dass Forschungsprotokolle keine perfekten Handlungsempfehlungen sind. Sie zeigen vor allem, unter welchen Bedingungen ein Effekt beobachtet wurde. Bei Cold Water Immersion nach Krafttraining sind das häufig Ganz- oder Unterkörperimmersionen in kaltem Wasser, typischerweise im Bereich von 10 bis 15 °C und für ungefähr 10 bis 15 Minuten. Genau bei diesen Protokollen wurden die potenziell ungünstigen Effekte auf Hypertrophie beschrieben.

Was daraus folgt: Wenn dein Ziel Muskelaufbau ist, solltest du Kälte nicht standardmäßig direkt nach dem letzten Satz einplanen. Ein zeitlicher Abstand von mehreren Stunden ist plausibel, aber bisher nicht durch ausreichend viele gute Langzeitstudien als „sicher neutral“ abgesichert. Deshalb sollte man auch diese Empfehlung ehrlich formulieren: praktisch sinnvoll, aber nicht abschließend bewiesen. Noch sauberer ist es, Kälte an Ruhetagen, nach Wettkämpfen oder nach Einheiten einzusetzen, bei denen kurzfristige Einsatzfähigkeit wichtiger ist als maximale anabole Anpassung.

Zur Sicherheit: Kalte Immersion ist nicht für jeden harmlos. Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, unkontrolliertem Bluthochdruck, bekannten Rhythmusstörungen, Raynaud-Symptomatik, kalteinduzierten Hautreaktionen oder anderen Gefäßproblemen sollten besonders vorsichtig sein und im Zweifel medizinisch abklären, ob intensive Kälteanwendungen sinnvoll sind. Der Kältereiz kann Blutdruck und Gefäßtonus akut beeinflussen; das ist physiologisch erwartbar und sicherheitsrelevant. Auch bei sehr kaltem Wasser, langen Expositionszeiten und unbeaufsichtigter Anwendung steigt das Risiko für Schwindel, Überforderung oder in Extremfällen Unterkühlung.

Die Langzeitsicherheit regelmäßiger Protokolle ist insgesamt weniger gut untersucht als oft angenommen. Viele Studien erfassen primär Trainingseffekte und subjektive Erholung, nicht systematisch alle Sicherheitsaspekte über lange Zeiträume. Wer Kälte mag, sollte deshalb nüchtern dosieren: nicht maximal kalt, nicht maximal lang und nicht als Ersatz für gute Regeneration. Wer parallel andere Stressoren hochfährt — Schlafdefizit, harte Diät, hohes Trainingsvolumen — sollte besonders zurückhaltend sein.

Regeneration zuerst: Schlaf, Ernährung und Trainingssteuerung

Direkte Antwort: Für Muskelaufbau sind Schlaf, ausreichende Energiezufuhr, genug Protein und sinnvolle Trainingssteuerung deutlich wichtigere Hebel als ein Kältebad. Ein Cold Plunge nach dem Krafttraining kann höchstens ergänzen, aber keine schlechte Basis kompensieren.

Das ist der Punkt, der in vielen Recovery-Debatten untergeht: Die größten, am besten belegten Effekte auf Trainingsergebnisse kommen nicht aus spektakulären Interventionen, sondern aus den Grundlagen. Wer regelmäßig zu wenig schläft, zu wenig Kalorien zuführt, Protein nicht deckt oder permanent mit zu hohem Volumen trainiert, wird seine Fortschritte damit deutlich stärker begrenzen als mit der Frage, ob er nach dem Training ins kalte Wasser geht.

Für Hypertrophie gilt: Du brauchst einen ausreichenden Trainingsreiz, genug Erholung und genug Baumaterial. Die wissenschaftliche Evidenz zu Proteinaufnahme, Energieverfügbarkeit und Belastungssteuerung ist für Muskelaufbau deutlich robuster und praxisrelevanter als die Daten zu Kälte als Recovery-Tool. Auch Schlaf ist ein zentraler Regulator für Leistungsfähigkeit, subjektive Ermüdung und Erholung. Wenn diese Basis nicht stimmt, ist der Nutzen eines Eisbads nach Training begrenzt — und der mögliche Trade-off bei der Anpassung umso schlechter zu rechtfertigen.

Das gilt besonders für Hobbysportler. Wer drei- bis viermal pro Woche trainiert, keine Wettkampfdichte hat und vor allem gesünder, stärker und muskulöser werden will, profitiert meist mehr von banalen, aber wirksamen Maßnahmen: regelmäßige Schlafzeiten, genug essen, genug Eiweiß, Trainingsvolumen passend dosieren, Deloads einplanen. Wenn du nach jeder Einheit stark zerstört bist, ist das oft eher ein Signal für ein Problem in Planung oder Erholung als ein Hinweis darauf, dass du ein härteres Recovery-Tool brauchst.

Kurz gesagt: Ein Kältebad kann ein Zusatz sein, aber es ersetzt weder saubere Periodisierung noch ausreichende Regeneration. Das gilt übrigens auch bei anderen populären „Stressmanagement“-Supplements und Routinen: Die Basis schlägt fast immer die Feinoptimierung. Wenn das Ziel besserer Schlaf oder geringeres Belastungsgefühl ist, lohnt sich zuerst ein Blick auf die Grundpfeiler — und erst danach auf optionale Extras wie Kälte, Sauna oder Supplemente.

Für wen Cold Plunge nach Krafttraining am ehesten passt

Direkte Antwort: Am ehesten passt Cold Plunge nach Krafttraining zu Athleten mit hoher Wettkampfdichte oder mehreren harten Belastungen in kurzer Zeit. Weniger passend ist es für Anfänger, Aufbauphasen und alle, die Muskelhypertrophie und Kraftzuwachs als Hauptziel haben.

Die sinnvollste Anwendung ist deshalb kontextabhängig. Gut passend ist Kälte für Sportler, die in einem engen Zeitfenster mehrfach funktionieren müssen: Turniersport, Trainingslager, Spieltage mit dichter Taktung, Events mit Vorläufen und Finalbelastung oder Phasen, in denen kurzfristige Wiederherstellung wichtiger ist als maximale Anpassung an jede einzelne Einheit. Hier ist ein Recovery Cold Plunge kein „Biohacking-Wunder“, sondern ein Werkzeug mit klar begrenztem Zweck.

Weniger passend ist es für Anfänger und für alle, die gerade ein klassisches Muskelaufbauziel verfolgen. Anfänger reagieren ohnehin sehr gut auf Krafttraining; sie brauchen meist keine aggressive Recovery-Strategie, sondern vor allem gute Trainingsausführung, Progression, Schlaf und ausreichende Ernährung. Auch in der Off-Season oder in Hypertrophieblöcken ist das regelmäßige Eisbad nach Training eher schlecht begründet, wenn es unmittelbar nach fast jeder Session eingesetzt wird.

Wenn du Kälte subjektiv sehr magst, aber Muskelaufbau priorisierst, ist ein Kompromiss vernünftig: Kälte eher an Ruhetagen, nach weniger anabolen Einheiten, nach Wettkämpfen oder in Phasen, in denen Erholungskapazität knapp ist und Leistungsbereitschaft morgen wichtiger ist als die maximale Anpassung von heute. Dieser Mittelweg ist nicht perfekt durch Langzeitdaten abgesichert, aber er entspricht der aktuellen Evidenz besser als eine starre tägliche Routine.

Menschen, die stark unter Muskelkater leiden, können Kälte situativ nutzen. Aber auch hier sollte die Einordnung ehrlich bleiben: Weniger Muskelkater bedeutet nicht zwingend besseres Trainingsergebnis. Wenn du den Kältereiz vor allem deshalb suchst, weil Training sich sonst zu hart anfühlt, ist oft eine Anpassung von Volumen, Intensität oder Wochenstruktur die nachhaltigere Lösung.

Die Kernfrage bleibt damit einfach: Passt die Maßnahme zu deinem Trainingsziel in dieser Phase? Wenn ja, kann Kälte sinnvoll sein. Wenn nein, ist sie eher ein gut vermarktetes Ritual als eine gute Strategie.

Was du daraus mitnimmst

  • Direkt nach Krafttraining kann Cold Water Immersion in mehreren RCTs und Reviews Muskelhypertrophie und teils auch Kraftanpassung abschwächen.
  • Der wichtigste kurzfristige Nutzen ist weniger Muskelkater und besseres Erholungsgefühl — nicht automatisch bessere Langzeitanpassung.
  • Sinnvoll ist ein Cold Plunge vor allem bei Wettkampfdichte, Mehrfachbelastung oder wenn du schnell wieder einsatzfähig sein musst.
  • Wenn Muskelaufbau dein Hauptziel ist, nutze Kälte eher nicht direkt nach jeder Einheit, sondern wenn überhaupt mit Abstand oder in anderen Phasen.
  • Vor jeder Recovery-Spielerei gelten die stärkeren Hebel: Schlaf, genug Kalorien, genug Protein und gute Trainingssteuerung.

Häufige Fragen

Macht ein Cold Plunge direkt nach dem Krafttraining weniger Muskelaufbau?
Ja, das kann passieren. Mehrere randomisierte Studien zeigen, dass Kältewasser-Tauchbäder direkt nach dem Krafttraining Muskelhypertrophie und teils auch Kraftzuwächse abschwächen können. Das betrifft vor allem regelmäßige Anwendung unmittelbar nach der Einheit, nicht gelegentliche Nutzung oder Kälte an Ruhetagen.
Ist ein Eisbad nach dem Training für die Erholung trotzdem sinnvoll?
Ja, kurzfristig kann es sinnvoll sein, wenn du schnell wieder einsatzfähig sein musst. Studien und Reviews zeigen oft weniger Muskelkater und ein geringeres Belastungsgefühl. Der mögliche Nachteil ist, dass dieselbe Kälte direkt nach dem Krafttraining die Anpassung an Muskelaufbau und Krafttraining bremsen kann.
Wie kalt und wie lang war Cold Plunge in den Studien?
In vielen Studien lag die Temperatur ungefähr bei 10 bis 15 Grad Celsius und die Dauer bei 10 bis 15 Minuten. Das ist aber kein gesichertes Optimum, sondern nur der typische Forschungsbereich. Temperatur, Dauer und Timing variieren stark zwischen den Studien.
Wann sollte ich Cold Plunge vermeiden, wenn Muskelaufbau mein Ziel ist?
Vermeide ihn am ehesten direkt nach jeder Hypertrophie-Einheit, wenn Muskelaufbau und Kraftzuwachs Priorität haben. Die Daten sprechen dafür, dass genau dieses Timing die Trainingsanpassung beeinträchtigen kann. Besser ist ein Einsatz mit Abstand, an Ruhetagen oder in Phasen mit Fokus auf schnelle Regeneration.
Für wen ist Cold Water Immersion nach Krafttraining eher sinnvoll?
Eher sinnvoll ist es für Menschen mit hoher Wettkampf- oder Trainingsdichte, die am nächsten Tag wieder leistungsfähig sein müssen. Das gilt etwa bei Turnieren, Trainingslagern oder mehreren Einheiten pro Tag. Dann kann die kurzfristige Erholung wichtiger sein als der kleine Verlust an Anpassung.